Verhütungsmethoden im Vergleich

Zwei Zahlen entscheiden über die Sicherheit einer Methode: der Pearl-Index bei perfekter Anwendung und der bei üblicher. Zwischen beiden liegt bei der Pille der Faktor 20. Der Vergleich zeigt beide Werte, dazu Hormongehalt, Dauer, Aufwand und Kosten – und lässt sich nach dem filtern, was Ihnen wichtig ist.

Was ist Ihnen wichtig?
Methode Bei üblicher Anwendung Perfekt angewendet Hormone Dauer Kosten
Hormonstäbchen (Implantat)
Langzeitmethoden
0,05 von 100 Frauen pro Jahr 0,05 Etonogestrel 3 Jahre rund 300 € inklusive Einsetzen
Vasektomie (Sterilisation des Mannes)
Endgültige Methoden
0,15 von 100 Frauen pro Jahr 0,10 keine endgültig 600 bis 1.000 €
Hormonspirale
Langzeitmethoden
0,20 von 100 Frauen pro Jahr 0,20 Levonorgestrel, örtlich in der Gebärmutter 3 bis 8 Jahre 500 bis 750 € für die gesamte Liegedauer
Sterilisation der Frau
Endgültige Methoden
0,50 von 100 Frauen pro Jahr 0,50 keine endgültig Eingriff, meist Selbstzahlerleistung
Kupferspirale
Langzeitmethoden
0,80 von 100 Frauen pro Jahr 0,60 keine 5 bis 10 Jahre 500 bis 600 € für die gesamte Liegedauer
Symptothermale Methode
Natürliche Methoden
1,8 von 100 Frauen pro Jahr 0,40 keine täglich einmalig für Thermometer und Kurs
Drei-Monats-Spritze
Langzeitmethoden
6,0 von 100 Frauen pro Jahr 0,20 Medroxyprogesteronacetat 3 Monate 85 € je Termin inklusive Kontrolle und Ultraschall
Kombinationspille
Tägliche Methoden
7,0 von 100 Frauen pro Jahr 0,30 Östrogen und Gestagen täglich 5 bis 20 € im Monat
Minipille (Gestagenpille)
Tägliche Methoden
7,0 von 100 Frauen pro Jahr 0,30 Gestagen allein (Desogestrel oder Drospirenon) täglich 8 bis 20 € im Monat
Vaginalring
Tägliche Methoden
7,0 von 100 Frauen pro Jahr 0,30 Östrogen und Gestagen 3 Wochen je Ring rund 20 € im Monat
Verhütungspflaster
Tägliche Methoden
7,0 von 100 Frauen pro Jahr 0,30 Östrogen und Gestagen 1 Woche je Pflaster rund 20 € im Monat
Diaphragma mit Gel
Barrieremethoden
12,0 von 100 Frauen pro Jahr 6,0 keine je Anwendung rund 50 € für das Diaphragma, dazu Gel
Kondom
Barrieremethoden
13,0 von 100 Frauen pro Jahr 2,0 keine je Anwendung 0,30 bis 1 € je Stück
Coitus interruptus
Natürliche Methoden
20,0 von 100 Frauen pro Jahr 4,0 keine je Anwendung keine
Kalendermethode (Knaus-Ogino)
Natürliche Methoden
24,0 von 100 Frauen pro Jahr 5,0 keine täglich keine

Die Methoden im Einzelnen

Hormonstäbchen (Implantat) · 0,05 von 100

Was dafür spricht: Die sicherste umkehrbare Methode überhaupt – sicherer als die Sterilisation. Kein Vergessen möglich.

Was dagegen spricht: Das Blutungsmuster ist nicht vorhersagbar: von gar keiner Blutung bis zu anhaltenden Schmierblutungen ist alles möglich, und es lässt sich vorher nicht sagen, was eintritt.

Aufwand: nichts im Alltag · Kosten: rund 300 € inklusive Einsetzen

Vasektomie (Sterilisation des Mannes) · 0,15 von 100

Was dafür spricht: Kleiner Eingriff in örtlicher Betäubung, sicherer und komplikationsärmer als die Sterilisation der Frau.

Was dagegen spricht: Nicht rückgängig zu machen. Der Schutz beginnt erst, wenn zwei Spermiogramme ohne Spermien vorliegen – meist nach drei Monaten.

Aufwand: nichts im Alltag · Kosten: 600 bis 1.000 €

Hormonspirale · 0,20 von 100

Was dafür spricht: Die Blutung wird schwächer, bei etwa jeder fünften Frau bleibt sie ganz aus. Deshalb ist die Hormonspirale auch bei starken und schmerzhaften Blutungen ein Mittel der Wahl – unabhängig von der Verhütung.

Was dagegen spricht: In den ersten drei bis sechs Monaten sind unregelmäßige Schmierblutungen die Regel. Das Einsetzen ist unangenehm; wie sehr, hängt stark davon ab, wie es gemacht wird.

Aufwand: nichts im Alltag · Kosten: 500 bis 750 € für die gesamte Liegedauer

Sterilisation der Frau · 0,50 von 100

Was dafür spricht: Endgültig und ohne weiteres Zutun.

Was dagegen spricht: Nicht rückgängig zu machen. Bemerkenswert: Das Hormonstäbchen und die Hormonspirale sind rechnerisch sicherer.

Aufwand: nichts im Alltag · Kosten: Eingriff, meist Selbstzahlerleistung

Kupferspirale · 0,80 von 100

Was dafür spricht: Vollständig hormonfrei, der Zyklus bleibt der eigene. Als Notfallverhütung bis fünf Tage nach dem Geschlechtsverkehr die mit Abstand wirksamste Methode.

Was dagegen spricht: Die Blutung wird bei vielen Frauen stärker und länger, die Regelschmerzen nehmen zu. Wer ohnehin stark blutet, ist damit meist schlecht beraten.

Aufwand: nichts im Alltag · Kosten: 500 bis 600 € für die gesamte Liegedauer

Symptothermale Methode · 1,8 von 100

Was dafür spricht: Bei konsequenter Anwendung nach einer echten Schulung deutlich sicherer als ihr Ruf – die Zahlen stammen aus der Heidelberger Untersuchung an 900 Frauen über 17.638 Zyklen (Frank-Herrmann u. a., 2007). Hormonfrei und bei Kinderwunsch unmittelbar nutzbar.

Was dagegen spricht: Verlangt Disziplin und Verzicht an den fruchtbaren Tagen. Fieber, Schichtarbeit, Reisen und unregelmäßiger Schlaf stören die Auswertung. Nicht zu verwechseln mit der Kalendermethode, die weit unsicherer ist.

Aufwand: tägliches Messen und Auswerten · Kosten: einmalig für Thermometer und Kurs

Drei-Monats-Spritze · 6,0 von 100

Was dafür spricht: Gut geeignet, wenn tägliche Einnahme nicht verlässlich klappt und eine Spirale nicht in Frage kommt.

Was dagegen spricht: Nach dem Absetzen dauert es oft sechs bis zwölf Monate, bis der Eisprung zurückkehrt – bei Kinderwunsch in absehbarer Zeit die falsche Wahl. Langfristig nimmt die Knochendichte ab.

Aufwand: ein Termin je Quartal · Kosten: 85 € je Termin inklusive Kontrolle und Ultraschall

Kombinationspille · 7,0 von 100

Was dafür spricht: Regelmäßige, schwächere und weniger schmerzhafte Blutungen; hilft bei Akne und beim prämenstruellen Syndrom. Senkt das Risiko für Eierstock- und Gebärmutterschleimhautkrebs deutlich und dauerhaft.

Was dagegen spricht: Erhöht das Thromboserisiko – bei Raucherinnen über 35, nach einer Thrombose oder bei Migräne mit Aura ist sie deshalb nicht geeignet. Der häufigste Grund für ungewollte Schwangerschaften unter Verhütung ist die vergessene Pille.

Aufwand: jeden Tag eine Tablette · Kosten: 5 bis 20 € im Monat

Minipille (Gestagenpille) · 7,0 von 100

Was dafür spricht: Ohne Östrogen und damit ohne dessen Thromboserisiko – geeignet beim Stillen, bei Migräne mit Aura und ab 35 auch für Raucherinnen.

Was dagegen spricht: Das Einnahmefenster ist enger als bei der Kombinationspille, und das Blutungsmuster wird unregelmäßig.

Aufwand: jeden Tag eine Tablette, ohne Pause · Kosten: 8 bis 20 € im Monat

Vaginalring · 7,0 von 100

Was dafür spricht: Dieselbe Wirkung wie die Kombinationspille, aber nur zwölfmal im Jahr daran zu denken statt 365-mal. Magen-Darm-Infekte beeinträchtigen die Wirkung nicht.

Was dagegen spricht: Dasselbe Thromboserisiko wie die Kombinationspille. Manche Frauen spüren den Ring oder empfinden ihn beim Geschlechtsverkehr als störend.

Aufwand: einmal im Monat wechseln · Kosten: rund 20 € im Monat

Verhütungspflaster · 7,0 von 100

Was dafür spricht: Sichtbar – man erkennt sofort, ob es noch klebt. Unabhängig vom Magen-Darm-Trakt.

Was dagegen spricht: Bei einem Körpergewicht über 90 kg ist die Wirkung schwächer. Die Östrogenbelastung liegt höher als bei der Pille.

Aufwand: wöchentlich wechseln · Kosten: rund 20 € im Monat

Diaphragma mit Gel · 12,0 von 100

Was dafür spricht: Hormonfrei und selbstbestimmt anwendbar; wiederverwendbar über Jahre.

Was dagegen spricht: Muss angepasst und die Anwendung geübt werden. Häufigere Harnwegsinfekte.

Aufwand: jedes Mal, mit Vorlauf · Kosten: rund 50 € für das Diaphragma, dazu Gel

Kondom · 13,0 von 100

Was dafür spricht: Die einzige Methode, die zugleich vor sexuell übertragbaren Infektionen schützt. Überall erhältlich, keine Nebenwirkungen, keine Voraussetzungen.

Was dagegen spricht: Die Lücke zwischen perfekter und üblicher Anwendung ist größer als bei jeder anderen gängigen Methode – 2 gegenüber 13.

Aufwand: jedes Mal · Kosten: 0,30 bis 1 € je Stück

Coitus interruptus · 20,0 von 100

Was dafür spricht: Immer verfügbar.

Was dagegen spricht: Jede fünfte Frau wird binnen eines Jahres schwanger. Als alleinige Methode nicht empfehlenswert.

Aufwand: jedes Mal · Kosten: keine

Kalendermethode (Knaus-Ogino) · 24,0 von 100

Was dafür spricht: Kostet nichts und braucht kein Hilfsmittel.

Was dagegen spricht: Fast jede vierte Frau wird damit binnen eines Jahres schwanger. Der Eisprung schwankt auch bei regelmäßigen Zyklen um mehrere Tage – ein Kalender kann das nicht abbilden.

Aufwand: Kalender führen · Kosten: keine

Die zwei Zahlen – und warum nur eine davon Ihre Frage beantwortet

Der Pearl-Index sagt, wie viele von 100 Frauen mit einer Methode innerhalb eines Jahres schwanger werden. Es gibt ihn zweimal: für die perfekte und für die übliche Anwendung. Bei der Pille sind das 0,3 und 7 – ein Faktor von über zwanzig. Die Pille ist nicht schlechter geworden; Menschen vergessen sie.

Genau dieser Abstand ist das stärkste Argument für die Langzeitmethoden. Spirale, Stäbchen und Spritze haben bei perfekter und üblicher Anwendung fast dieselben Zahlen – weil man nach dem Einsetzen nichts mehr falsch machen kann. Deshalb ist das Hormonstäbchen rechnerisch sicherer als eine Sterilisation.

Was keine Tabelle entscheiden kann

Ob eine Methode zu Ihnen passt, hängt an Dingen, die in keiner Spalte stehen: eine durchgemachte Thrombose, Migräne mit Aura, Rauchen ab 35, starke Blutungen, ein Kinderwunsch in zwei Jahren, die Frage, ob eine tägliche Tablette verlässlich klappt – und was mit Ihrer Blutung geschehen soll. Für dieses Gespräch ist die Verhütungsberatung da.

Verhütungsberatung vereinbaren Spiralen im Detail vergleichen

Quellen

  1. Trussell J: Contraceptive failure in the United States. Contraception 83 (2011) 397–404
    Der Datensatz, auf den sich die Leitlinien für die Angaben zu perfekter und üblicher Anwendung beziehen.
  2. Frank-Herrmann P u. a.: The effectiveness of a fertility awareness based method. Human Reproduction 22 (2007) 1310–1319
  3. Faculty of Sexual and Reproductive Healthcare: Combined Hormonal Contraception
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