Mirena
Die größte und am längsten liegende Hormonspirale – und die einzige, die auch starke Blutungen behandelt und in der Hormontherapie dient. Für wen sie passt und wann Kyleena die bessere Wahl ist.
Mirena ist die größte, hormonreichste und am längsten liegende der drei Hormonspiralen – und die einzige, die nicht nur zur Verhütung zugelassen ist, sondern auch zur Behandlung starker Blutungen und als Gestagenanteil einer Hormontherapie in den Wechseljahren. Wer sie wählt, tut das meist aus einem dieser Gründe. Diese Seite erklärt, was sie kann, für wen sie gedacht ist und wann eine kleinere Spirale die bessere Wahl wäre.
Was Mirena ist
Mirena ist ein T-förmiges Intrauterinsystem mit 52 Milligramm Levonorgestrel im Hormonzylinder. Amtlich heißt sie in Österreich inzwischen „Mirena 20 Mikrogramm/24 Stunden Intrauterinpessar" – benannt nach der Menge, die sie täglich abgibt, nicht nach dem Vorrat, den sie mitbringt. Beide Angaben beschreiben dasselbe Produkt. Sie misst 32 × 32 Millimeter und wird mit einer Einführhülse von 4,4 Millimetern Durchmesser eingesetzt – gut einen halben Millimeter mehr als bei Jaydess und Kyleena, und dieser halbe Millimeter ist beim Einsetzen spürbar.
Die Hormonabgabe beginnt bei etwa 20 Mikrogramm täglich, liegt nach fünf Jahren bei rund zehn und nach sechs Jahren bei neun Mikrogramm. Diese Abnahme ist eingerechnet: Der Verhütungsschutz bleibt über die gesamte zugelassene Liegedauer gleich zuverlässig. Damit sie sich bei Bedarf auch im Röntgen darstellen lässt, enthält der Rahmen Bariumsulfat; die Rückholfäden sind braun – Details, die im Alltag keine Rolle spielen, bei der Lagekontrolle aber helfen.
Drei Zulassungen, drei Liegedauern
Was Mirena von Jaydess und Kyleena unterscheidet, steht in der Gebrauchsinformation gleich am Anfang: Sie ist für drei Anwendungen zugelassen, und jede hat ihre eigene Liegedauer.
- Zur Verhütung: bis zu acht Jahre. Spätestens dann wird sie entfernt oder gewechselt.
- Bei starker Monatsblutung: fünf Jahre – oder früher, wenn die starke Blutung wiederkehrt.
- Zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut während einer Hormonersatztherapie mit Östrogen: fünf Jahre.
Die acht Jahre gelten also nur für die Verhütung. Wer Mirena wegen starker Blutungen trägt, wird nach fünf Jahren – oder sobald die Blutung wieder stärker wird – über einen Wechsel sprechen, auch wenn der Verhütungsschutz noch drei Jahre weiterliefe. Das ist keine Spitzfindigkeit: Die Hormonmenge, die im sechsten Jahr noch abgegeben wird, reicht zum Verhüten, aber nicht mehr sicher, um eine Schleimhaut ruhigzustellen, die zu stark bluten will.
Warum Mirena gewählt wird – und warum meist nicht
| Modell | Hormon | Liegedauer | Einführhülse | Kosten je Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Jaydess | 13,5 mg | 3 Jahre | 3,8 mm | 167 € |
| Kyleena | 19,5 mg | 5 Jahre | 3,8 mm | 120 € |
| Mirena | 52 mg | bis 8 Jahre | 4,4 mm | 94 € |
Die Tabelle zeigt beides auf einen Blick. Für Mirena spricht die Liegedauer – acht statt fünf Jahre, das sind drei Einlagetermine weniger im Lauf eines Lebens – und der Preis je Jahr. Gegen sie spricht, dass sie mehr als das Doppelte an Hormon mitbringt und eine merklich dickere Hülse hat, ohne dafür sicherer zu verhüten. Wer nur verhüten möchte und mit seiner Blutung zufrieden ist, hat wenig Grund, die größere Spirale zu nehmen; Kyleena ist in dieser Ordination deshalb das am häufigsten gewählte Modell.
Anders liegt es, wenn die Blutung selbst das Problem ist, wenn eine Endometriose die Regel zur Qual macht oder wenn die Wechseljahre näher rücken. Dann bringt Mirena etwas mit, was die kleineren Spiralen nicht haben: eine Zulassung als Behandlung. Wer Mirena wählt, tut das aus einem bestimmten Grund – und dieser Grund ist der eigentliche Inhalt dieser Seite.
Wie zuverlässig sie verhütet
Der Pearl-Index von Mirena liegt bei 0,2 im ersten Jahr; über die vollen acht Jahre wird etwa eine von hundert Frauen schwanger. Zum Vergleich: Bei der Kombinationspille sind es bei üblicher Anwendung sieben pro Jahr. Dieser Unterschied hat nichts mit der Wirkstärke zu tun, sondern mit dem Alltag – eine Pille kann vergessen werden, eine Spirale nicht. Erbrechen, Durchfall, Antibiotika, Zeitverschiebung: nichts davon berührt die Wirkung. Die Zulassungsstudien haben dabei auch die Schwangerschaften mitgezählt, die durch eine unbemerkte Ausstoßung oder Verlagerung entstanden sind; die Zahl beschreibt also, was tatsächlich passiert, nicht, was unter Idealbedingungen passieren würde.
Die vollständige Gegenüberstellung mit allen Methoden steht im Verhütungsvergleich, die aller fünf Spiralen im Spiralenvergleich.
Wie Mirena wirkt
Das Levonorgestrel wird direkt in der Gebärmutter abgegeben und wirkt weit überwiegend dort. Der Blutspiegel bleibt niedrig – niedriger als unter einer Gestagenpille, um ein Vielfaches niedriger als unter der Drei-Monats-Spritze. Das ist der Grund, warum hormonelle Nebenwirkungen bei der Spirale seltener sind als bei Präparaten, die dasselbe Hormon über den Blutkreislauf verteilen – und es ist auch der Grund, warum die größere Hormonmenge von Mirena im Körper weniger ausmacht, als die Zahl vermuten lässt.
Drei Wirkungen greifen ineinander:
- Der Schleim im Gebärmutterhals wird zäh und für Spermien praktisch undurchlässig – der wichtigste Mechanismus.
- Spermien, die dennoch durchkommen, verlieren an Beweglichkeit.
- Die Gebärmutterschleimhaut bleibt dünn – bei Mirena ausgeprägter als bei den kleineren Spiralen. Das ist zugleich der Mechanismus, der die Blutung so deutlich abschwächt.
Der Eisprung bleibt bei den meisten Frauen erhalten. Der eigene Zyklus mit seinen hormonellen Schwankungen läuft also weiter, nur die Blutung wird schwächer oder bleibt aus. Wer stattdessen hofft, dass der Zyklus zur Ruhe kommt, ist mit einer anderen Methode besser beraten.
Was mit der Blutung geschieht – Jahr für Jahr
Diese Frage entscheidet in der Beratung häufiger als jede andere, und bei Mirena hat sie zwei Antworten: eine für die ersten Monate und eine für die Jahre danach. Die Zahlen aus den Zulassungsstudien sind stabil und lassen sich gut zusammenfassen.
Monat eins bis drei: unregelmäßige Schmierblutungen sind die Regel, nicht die Ausnahme. Jede fünfte Frau hat in dieser Zeit Blutungen, die länger als acht Tage dauern. Das ist die Phase, in der die meisten an ihrer Entscheidung zweifeln, und es ist die Phase, die vorbeigeht – aber sie geht bei Mirena nicht schneller vorbei als bei den kleineren Spiralen.
Ab Monat drei bis sechs: Die Zahl der Tage mit Schmierblutungen sinkt in den ersten sechs Monaten im Durchschnitt von neun auf vier im Monat. Der Anteil der Frauen mit verlängerten Blutungen fällt in den ersten drei Monaten von zwanzig auf drei von hundert. Die Blutung wird schwächer und kürzer, Regelschmerzen bessern sich bei vielen spürbar.
Nach einem Jahr: Bei etwa 17 von hundert Frauen bleibt die Blutung über mindestens drei Monate ganz aus; bei etwa jeder fünften wird sie auf Dauer sehr selten oder bleibt aus. Bei den übrigen ist sie in aller Regel deutlich schwächer als vor dem Einsetzen. In den Jahren danach steigt der Anteil der Frauen ohne Blutung noch etwas an und bleibt dann stabil.
Dass keine Blutung kommt, ist kein Zeichen dafür, dass sich etwas staut. Die Schleimhaut baut sich unter der örtlichen Hormonwirkung schlicht nicht auf; es ist nichts da, was abgestoßen werden müsste. Medizinisch ist daran nichts bedenklich. Bleibt die Blutung aus, nachdem sie vorher regelmäßig kam, ist – einmal – ein Schwangerschaftstest sinnvoll; danach nicht mehr, solange keine anderen Zeichen dafür sprechen. Nach dem Entfernen kommt der Zyklus zurück.
Wenn die Spirale zugleich Behandlung ist
Mirena ist in Österreich zur Behandlung der starken Monatsblutung zugelassen – der Hypermenorrhoe. Das ist mehr als eine Formalie: Wer wegen zu starker Blutungen kommt und ohnehin verhüten möchte, löst mit einem einzigen Eingriff zwei Fragen. Und wer nicht verhüten muss, bekommt eine Behandlung, die ohne tägliche Tablette auskommt und die Gebärmutter erhält.
Was „zu stark" heißt, lässt sich schwer in Millilitern beschreiben und leicht im Alltag: wenn eine Binde oder ein Tampon in weniger als zwei Stunden durchgeblutet ist, wenn Blutungen länger als sieben Tage dauern, wenn sich Klumpen zeigen, wenn man den Tag um die Blutung herum plant oder wenn der Eisenwert im Keller ist. Die Wirkung setzt nicht sofort ein – in den ersten Wochen kann es unregelmäßiger bluten als vorher –, aber sie ist beträchtlich: Innerhalb von drei bis sechs Monaten sinkt die Blutungsmenge bei den meisten Frauen um mehr als drei Viertel, und viele haben nach einem Jahr kaum noch eine Blutung. In den Leitlinien steht die Hormonspirale deshalb als Mittel der ersten Wahl bei starken Blutungen, noch vor Tabletten und weit vor einer Operation.
Vorher gehört die Ursache geklärt. Die häufigsten sind Myome, Polypen, eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder eine Adenomyose – alle vier lassen sich im Ultraschall und im Blut erkennen, und alle vier ändern etwas an der Entscheidung. Ein Myom, das die Gebärmutterhöhle verformt, schließt die Spirale aus; ein Polyp wird zuerst entfernt; eine Schilddrüse wird zuerst eingestellt. Ebenso gehört ein Eisenmangel behandelt, den eine jahrelange starke Blutung fast immer hinterlässt. Genau deshalb steht vor dem Einlagetermin der Beratungstermin mit Ultraschall und Blutbild.
Auch bei Endometriose und Adenomyose wird Mirena eingesetzt, weil die dünne Schleimhaut und der niedrige örtliche Hormonspiegel die Schmerzen häufig deutlich lindern. Eine Zulassung dafür gibt es nicht, aber jahrzehntelange Erfahrung und eine klare Leitlinienempfehlung; das wird im Gespräch so benannt.
Mirena in den Wechseljahren
In den Jahren vor der Menopause trifft mehreres zusammen, wofür Mirena zugleich eine Antwort ist. Die Blutungen werden in dieser Zeit oft stärker und unregelmäßiger, verhütet werden muss weiterhin, und wer später eine Hormontherapie gegen Hitzewallungen beginnt, braucht ohnehin ein Gestagen zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut. Mirena deckt alle drei Punkte mit einem einzigen Eingriff ab – und sie ist die einzige Spirale, die für den dritten zugelassen ist.
Der Gestagenanteil der Hormontherapie. Wer Östrogen bekommt und eine Gebärmutter hat, braucht ein Gestagen dazu, sonst wächst die Schleimhaut unkontrolliert. Mirena übernimmt das örtlich, fünf Jahre lang, kombiniert mit Östrogen als Tablette, Gel oder Pflaster. Der Vorteil gegenüber einer Gestagentablette: Das Hormon bleibt weitgehend in der Gebärmutter, die Blutungen hören meist im ersten Jahr auf – rund vierzig von hundert Frauen haben in den letzten drei Monaten des ersten Jahres keine mehr –, und es gibt keine zweite Tablette, an die man denken müsste. In den ersten Monaten sind Schmierblutungen auch hier die Regel; bei Frauen, die noch mitten in den Wechseljahren stehen, häufiger als danach.
Verhütet werden muss länger, als viele annehmen. Unregelmäßige Zyklen heißen nicht, dass kein Eisprung mehr stattfindet. Als Faustregel gilt: bis ein Jahr nach der letzten Blutung, wenn diese nach dem 50. Geburtstag lag – sonst bis zwei Jahre danach. Unter Mirena fällt die Blutung als Anhaltspunkt allerdings weg. Es bleiben die übrigen Zeichen der Wechseljahre – Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Veränderungen an Scheide und Blase –, die unabhängig von der Spirale auftreten, weil das fehlende Östrogen sie auslöst und Mirena nur örtlich ein Gestagen abgibt. Im Zweifel lässt sich der Hormonstatus im Blut bestimmen; wann das hilft und wann es eher verwirrt, wird im Gespräch geklärt. Mehr dazu in der Übersicht zu den Wechseljahren.
Wann sie entfernt wird. Nach Ablauf der Liegedauer – oder wenn die Verhütung nicht mehr nötig ist. Dient sie zugleich als Gestagenanteil einer Hormontherapie, richtet sich der Zeitpunkt danach und wird gemeinsam festgelegt, nicht nach dem Kalender allein. Für Frauen nach der Menopause mit bereits zurückgebildeter Gebärmutter ist Mirena keine Methode der ersten Wahl; das Einsetzen ist dann schwieriger, und die Entscheidung wird im Einzelfall getroffen.
Für wen Mirena besonders passt
- Bei starken oder schmerzhaften Blutungen, auch wenn gar nicht verhütet werden muss. Das ist der häufigste Grund.
- Bei Endometriose und Adenomyose, wenn die Schmerzen den Alltag bestimmen.
- In den Jahren vor und in den Wechseljahren, wenn Verhütung, Blutungsstörung und eine mögliche Hormontherapie zusammenfallen.
- Wenn möglichst wenige Einlagetermine gewünscht sind. Acht Jahre sind die längste Liegedauer, die eine Hormonspirale bietet.
- Nach einer Thrombose, bei Migräne mit Aura und für Raucherinnen über 35. Mirena enthält kein Östrogen und erhöht das Thromboserisiko nicht.
- In der Stillzeit. Die Milchbildung wird nicht beeinträchtigt; das Kind nimmt über die Milch nur einen winzigen Bruchteil der Dosis auf. Eingesetzt wird in dieser Ordination zwölf Wochen nach der Geburt.
Wann eine andere Wahl besser ist
- Wenn es nur um Verhütung geht und die Blutung kein Problem ist: Dann leistet Kyleena dasselbe mit weniger Hormon und dünnerer Hülse. Bei jungen Frauen ohne Geburt gilt Mirena ausdrücklich nicht als erste Wahl.
- Wenn keine Hormone in Frage kommen – aus Überzeugung oder wegen einer Brustkrebserkrankung in der Vorgeschichte –, bleibt die Kupfer- oder Goldspirale. Ob die Hormonspirale das Brustkrebsrisiko geringfügig erhöht, wird in großen Beobachtungsstudien diskutiert und ist nicht sicher belegt; nach einer Brustkrebserkrankung wird sie nicht eingesetzt.
- Wenn der Kinderwunsch in ein bis zwei Jahren ansteht, lohnt die Rechnung: Eine Spirale für acht Jahre einzusetzen und nach anderthalb wieder zu entfernen, ist möglich, aber teuer.
Nicht eingesetzt wird sie in der Schwangerschaft, bei akuter Genitalinfektion, bei ungeklärten Blutungen, bei Fehlbildungen oder großen Myomen, die die Gebärmutterhöhle verformen, bei hormonabhängigen Tumoren wie Brustkrebs, bei Zellveränderungen oder Krebs am Gebärmutterhals und in der Gebärmutter sowie bei akuten Lebererkrankungen. Ungeklärte Blutungen sind dabei der wichtigste Punkt: Weil Mirena in den ersten Monaten selbst Blutungsunregelmäßigkeiten macht, muss vorher feststehen, dass die Schleimhaut gesund ist – sonst verdeckt die Spirale, was abgeklärt gehört hätte.
Der Ablauf: zwei Termine
Beim ersten Termin geht es um das Gespräch und die Voruntersuchung: Vorgeschichte, Blutungsmuster, Familienplanung, dann Ultraschall zur Beurteilung von Größe und Lage der Gebärmutter, Nativpräparat und Abstriche – und bei starken Blutungen ein Blutbild. Am Ende steht fest, ob Mirena passt oder eine andere Spirale, und dass keine Infektion vorliegt, die beim Einsetzen nach oben verschleppt werden könnte.
Beim zweiten Termin wird eingesetzt. Der Eingriff dauert wenige Minuten: Der Gebärmutterhals wird vorbereitet, die Spirale in ihrer Hülse eingeführt und freigesetzt, die Fäden gekürzt, der Sitz per Ultraschall bestätigt. Günstig liegt der Termin in den ersten sieben Tagen des Zyklus – dann wirkt Mirena sofort, der Gebärmutterhals ist von selbst etwas weicher, und eine Schwangerschaft ist ausgeschlossen. Zu jedem anderen Zeitpunkt ist für sieben Tage zusätzlicher Schutz mit Kondom sinnvoll. Nach einer Geburt wird in dieser Ordination zwölf Wochen gewartet, bis die Gebärmutter ihre normale Größe wieder hat; das Risiko einer Durchstoßung ist in den ersten Monaten nach der Geburt und in der Stillzeit erhöht, und die Ausstoßung ist wahrscheinlicher.
Dass beides nicht am selben Tag stattfindet, ist Absicht. Die Trennung ist der Grund dafür, dass der zweite Termin kurz ist: Es muss nichts mehr besprochen, nichts mehr abgewartet und nichts mehr ausgeschlossen werden.
Wie das Einsetzen sich anfühlt
Unangenehm – das gehört ehrlich gesagt. Erwarten Sie einen kurzen, kräftigen Krampfschmerz in dem Moment, in dem die Einführhülse den Gebärmutterhals passiert, und danach ein Ziehen wie bei starken Regelschmerzen, das über Stunden nachlässt. Ein Schmerzmittel eine Stunde vorher ist sinnvoll. Manche Frauen nehmen sich den Rest des Tages frei, viele gehen wieder arbeiten.
Die Hülse von Mirena misst 4,4 Millimeter gegenüber 3,8 bei Jaydess und Kyleena. Das klingt nach wenig und ist es nicht – vor allem bei Frauen, die noch nicht geboren haben. Wie stark es ausfällt, hängt erheblich davon ab, wie sorgfältig vorbereitet und wie viel Zeit eingeplant wird; genau dafür ist der getrennte Beratungstermin da. Bei schwieriger Einlage oder ungewöhnlichen Schmerzen wird der Sitz sofort im Ultraschall kontrolliert.
Kontrollen und Alltag
Eine Kontrolle findet vier bis sechs Wochen nach dem Einsetzen statt, danach jährlich. Der Ultraschall zeigt, ob die Spirale richtig liegt; sie kann sich verschieben oder ausgestoßen werden, am ehesten in den ersten Monaten und am ehesten während einer Blutung. Bei etwa zwei bis fünf von hundert Frauen passiert das – häufiger bei Übergewicht und bei Frauen, die vorher sehr stark geblutet haben. Weil Mirena die Blutung so deutlich abschwächt, ist eine plötzlich wieder starke Blutung ein Zeichen, das kontrolliert gehört: Sie kann bedeuten, dass die Spirale nicht mehr richtig sitzt.
Die Rückholfäden lassen sich gelegentlich selbst ertasten, etwa beim Duschen. Sind sie nicht mehr zu finden oder deutlich länger geworden, verhüten Sie zusätzlich und vereinbaren einen Termin. Ziehen Sie nicht an den Fäden.
Im Alltag gibt es kaum Einschränkungen. Sport, Sauna und Schwimmen sind uneingeschränkt möglich, Tampons ebenso. Bei einer Menstruationstasse sollte der Unterdruck vor dem Herausnehmen bewusst gelöst werden, damit sie nicht an den Fäden zieht. In der ersten Woche nach dem Einsetzen wird von Vollbad, Schwimmbad und Tampons abgeraten, weil der Gebärmutterhals noch leicht geöffnet ist. Mirena enthält kein Metall; eine Magnetresonanztomografie ist mit liegender Spirale möglich.
Nebenwirkungen und Risiken
Die häufigsten unerwünschten Wirkungen sind die schon beschriebenen Blutungsveränderungen der ersten Monate, dazu Kopfschmerzen, Unterbauch- und Beckenschmerzen und Entzündungen der Scheide bei einem Teil der Frauen. Vergrößerte Eibläschen – funktionelle Zysten am Eierstock – werden bei etwa zwölf von hundert Anwenderinnen gesehen; sie sind meist harmlos, verschwinden von selbst und brauchen selten mehr als eine Kontrolle. Gelegentlich kommen depressive Verstimmung, Nervosität, verminderte Lust, Übelkeit, Akne, Brustspannen und Gewichtszunahme vor. Sie sind seltener als unter Präparaten, die dasselbe Hormon über den Blutkreislauf verteilen, aber sie kommen vor, und sie werden hier nicht kleingeredet.
Ernstere Ereignisse sind selten. Eine Durchstoßung der Gebärmutterwand beim Einsetzen liegt in der Größenordnung von eins zu tausend und ist bei rechtzeitigem Erkennen meist folgenlos; häufiger ist sie in den ersten 36 Wochen nach einer Geburt, in der Stillzeit und bei nach hinten geneigter Gebärmutter. Eine aufsteigende Infektion ist in den ersten drei Wochen nach dem Einsetzen etwas wahrscheinlicher, danach nicht mehr – Ursache ist nicht die Spirale, sondern eine bereits vorhandene Infektion, die nach oben verschleppt wird. Genau davor schützt der Beratungstermin mit den Abstrichen. Fieber, zunehmende Unterbauchschmerzen oder übelriechender Ausfluss in dieser Zeit gehören noch am selben Tag abgeklärt.
Eine Eileiterschwangerschaft ist unter Mirena sehr selten – etwa eine von tausend Anwenderinnen –, und damit seltener als bei Frauen, die gar nicht verhüten. Wird eine Frau mit liegender Spirale dennoch schwanger, ist der Anteil der Eileiterschwangerschaften an diesen wenigen Fällen allerdings erhöht. Unterbauchschmerzen zusammen mit ausbleibender oder plötzlich wieder einsetzender Blutung gehören deshalb rasch abgeklärt.
Kosten in Wien
Der Einlagetermin mit Mirena kostet in dieser Wahlarztordination 750 Euro. Darin enthalten sind die Kontrolluntersuchung, der Ultraschall, ein Schwangerschaftstest, das Nativpräparat, die medizinische Vorbereitung, das Einsetzen und die Spirale selbst. Die vorangehende Verhütungsberatung mit Abstrichen wird mit 250 Euro verrechnet.
Auf acht Jahre gerechnet sind das rund 94 Euro im Jahr oder knapp acht Euro im Monat – weniger als jede Pillenpackung, bei erheblich höherer Sicherheit. Die Rechnung reichen Sie bei Ihrer Krankenkasse ein, die 80 Prozent des entsprechenden Kassentarifs rückerstattet – das gilt für das österreichische Kassensystem; privat oder im Ausland Versicherte reichen die Honorarnote bei ihrer Versicherung ein. Verhütungsmittel selbst sind in Österreich keine Kassenleistung. Alle Beträge stehen auf der Seite Honorare.
Nach acht Jahren – oder früher
Nach Ablauf der Zulassungsdauer muss Mirena gewechselt oder entfernt werden – der Schutz ist danach nicht mehr gesichert. Wechsel und Neueinlage finden in einem Termin statt: alte heraus, neue hinein. Das Entfernen dauert Sekunden und tut deutlich weniger weh als das Einsetzen. Wer Mirena wegen starker Blutungen trägt, spricht schon nach fünf Jahren über den Wechsel – oder früher, sobald die Blutung wieder stärker wird.
Wer stattdessen einen Kinderwunsch hat: Die Fruchtbarkeit kehrt unmittelbar zurück. Anders als nach der Drei-Monats-Spritze gibt es keine Verzögerung, eine Schwangerschaft ist schon im ersten Zyklus danach möglich. Mit Folsäure sollte vier Wochen vor der geplanten Empfängnis begonnen werden, nicht erst danach – der Eisprungrechner hilft bei der Planung.
Wie es weitergeht
Ob Mirena, Kyleena oder Jaydess die richtige ist, entscheidet sich an Ihrer Vorgeschichte, Ihrem Blutungsmuster und Ihrer Familienplanung – nicht an einer Tabelle. Der nächste Schritt ist deshalb die Verhütungsberatung. Termin vereinbaren, oder vorher vergleichen: Spiralenvergleich, Kyleena, Jaydess und Hormonspirale im Überblick.
Die amtliche Gebrauchsinformation steht im Wortlaut des Arzneispezialitätenregisters auf der Seite Gebrauchsinformation Mirena, Stand Juni 2026. Die ältere Fassung, die seit Jahren auf dieser Website steht, ist weiterhin auf der Seite Hormonspirale zu lesen.
Häufige Fragen
Wie lange kann Mirena liegen bleiben?
Zur Verhütung bis zu acht Jahre. Wer sie wegen starker Blutungen oder als Gestagenanteil einer Hormontherapie trägt, wechselt nach fünf Jahren – bei starken Blutungen auch früher, sobald die Blutung wiederkehrt.
Was ist der Unterschied zwischen Mirena und Kyleena?
Mirena enthält mehr als das Doppelte an Hormon, liegt bis zu acht statt fünf Jahre, schwächt die Blutung stärker ab und ist zusätzlich zur Behandlung starker Blutungen und in der Hormontherapie zugelassen. Kyleena ist kleiner und hormonärmer bei fast derselben Sicherheit. Wer wegen der Blutung kommt, bekommt meist Mirena; wer verhüten möchte, meist Kyleena.
Hilft Mirena bei starken Blutungen?
Ja, das ist eine ihrer drei Zulassungen. Innerhalb von drei bis sechs Monaten sinkt die Blutungsmenge bei den meisten Frauen um mehr als drei Viertel; nach einem Jahr haben viele kaum noch eine Blutung. Vorher wird die Ursache abgeklärt – Myome, Polypen, Schilddrüse, Adenomyose –, weil sie etwas an der Entscheidung ändern kann.
Kann Mirena in der Hormonersatztherapie verwendet werden?
Ja, als Gestagenanteil für fünf Jahre, kombiniert mit Östrogen als Tablette, Gel oder Pflaster. Sie ist die einzige Spirale mit dieser Zulassung. Die Blutungen hören unter dieser Kombination meist im ersten Jahr auf.
Wie schnell wirkt Mirena?
Wird sie in den ersten sieben Tagen des Zyklus eingesetzt, sofort. Zu einem späteren Zeitpunkt ist für sieben Tage zusätzlicher Schutz mit Kondom sinnvoll. Die Wirkung auf die Blutung braucht länger – drei bis sechs Monate.
Nimmt man mit Mirena zu?
Gewichtszunahme wird in der Gebrauchsinformation als gelegentliche Nebenwirkung genannt. In den Zulassungsstudien unterschied sich die Gewichtsentwicklung nicht wesentlich von der ohne hormonelle Verhütung. Im Zweifel hilft, das Gewicht vor dem Einsetzen und ein halbes Jahr danach zu vergleichen, statt sich auf den Eindruck zu verlassen.
Kann Mirena die Stimmung verändern?
Die Gebrauchsinformation nennt depressive Verstimmung als gelegentliche Nebenwirkung, und diese Möglichkeit wird hier nicht kleingeredet. Zugleich sind Stimmungsveränderungen selten auf eine einzige Ursache zurückzuführen – Lebensumstände, Schlaf und Schilddrüse spielen mit hinein. Wenn Sie nach dem Einsetzen eine Veränderung bemerken, sprechen Sie sie an. Wo eine psychotherapeutische Abklärung sinnvoll ist, vermitteln wir weiter, statt die Frage abzutun.
Merke ich mit Mirena, wann die Wechseljahre beginnen?
Nicht an der Blutung – die fällt als Anhaltspunkt weg. Aber an den übrigen Zeichen: Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Veränderungen an Scheide und Blase. Sie entstehen durch das fehlende Östrogen, und daran ändert die Spirale nichts. Im Zweifel hilft eine Hormonbestimmung im Blut.
Kann Mirena verrutschen, ohne dass ich es merke?
Ja, deshalb die Kontrolle nach vier bis sechs Wochen und danach jährlich. Ein Warnzeichen ist eine plötzlich wieder starke Blutung, nachdem sie unter Mirena schwach geworden war. Sie können die Fäden auch selbst gelegentlich ertasten; sind sie nicht mehr zu finden, verhüten Sie zusätzlich und vereinbaren einen Termin.
Schützt Mirena vor Geschlechtskrankheiten?
Nein. Dafür ist das Kondom die einzige Methode – bei wechselnden Partnerschaften also zusätzlich.
Quellen
- Gebrauchsinformation Mirena 20 Mikrogramm/24 Stunden Intrauterinpessar (Levonorgestrel), Bayer Austria. Arzneispezialitätenregister des BASG, Zulassungsnummer 1-21529, Stand Juni 2026.
- Jensen JT u. a.: Contraceptive efficacy and safety of the 52-mg levonorgestrel intrauterine system for up to 8 years: findings from the Mirena Extension Trial. American Journal of Obstetrics and Gynecology 2022;227(6):873.e1–873.e12.
- National Institute for Health and Care Excellence: Heavy menstrual bleeding: assessment and management. NICE Guideline NG88, London 2018, aktualisiert 2021.
- Andersson JK, Rybo G: Levonorgestrel-releasing intrauterine device in the treatment of menorrhagia. British Journal of Obstetrics and Gynaecology 1990;97(8):690–694.
- Faculty of Sexual & Reproductive Healthcare: Intrauterine Contraception. FSRH Clinical Guideline, London 2023.
- Heinemann K u. a.: Risk of uterine perforation with levonorgestrel-releasing and copper intrauterine devices in the European Active Surveillance Study on Intrauterine Devices. Contraception 2015;91(4):274–279.
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe u. a.: Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen. S3-Leitlinie, AWMF-Registernummer 015-062, 2020.
- World Health Organization: Medical eligibility criteria for contraceptive use. 5. Auflage, Genf 2015.
Dieser Text ist allgemeine Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch: Er kennt Ihre Vorgeschichte nicht und kann Sie nicht untersuchen. Wenn etwas an Ihrer Lage von dem abweicht, was hier steht, ist genau diese Abweichung das Entscheidende.
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